Wahlkampf ohne Schlammschlacht
10. August 2009
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„Wir sind auf einem ordentlichen Wege.“ Hans Koschnick steht hinter den politischen Konzepten der Sozialdemokratie. Im Gespräch mit den Schaumburger Nachrichten geht der 80-Jährige auf die nachlassende Strahlkraft der SPD ein sowie auf die Notwendigkeit parteiübergreifender Zusammenarbeit auch in Zeiten des Wahlkampfes.
„Wir haben was erreicht, wir haben auch Niederlagen erlitten. Aber wir haben Dinge bewegt und verändert“, sagt Koschnick mit Blick auf die Vergangenheit der Sozialdemokratie. Dabei betont der Politiker, von der Arbeit der SPD trotz Mitgliederschwunds und schlechter Umfragewerte überzeugt zu sein. Die SPD stehe zwar längst nicht so gut dar, wie sie sich selbst darstellt, komme in den Medien derzeit aber viel zu schlecht weg, wie der ehemalige Bundestagsabgeordnete auch hinsichtlich der Dienstwagenaffäre von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt betonte. Schmidt habe getan, was „viele vorher auch getan haben.“ Die mangelnde Fähigkeit, Menschen an sich zu binden, sei laut Koschnick bei weitem nicht nur ein Problem der SPD, sondern betreffe alle Parteien und Gruppierungen. Als Grund dafür nannte der Bremer die Individualisierung in der Gesellschaft. „Die Probleme in den Zeiten, als ich noch politisch aktiv war, haben in allen Bevölkerungsschichten ein ganz anderes Zusammengehörigkeitsgefühl hervorgebracht, als heute.“ Der Sozialdemokrat sieht nur eine Chance für die großen Volksparteien, den Mitgliederschwund aufzuhalten: „Wir müssen wieder mit langfristigen Zukunftsperspektiven für die Menschen überzeugen. Das heißt, wir müssen Lösungen anbieten, die nicht nur die nächsten zwei bis drei Jahre überbrücken.“ Dabei plädierte Koschnick für eine verantwortungsvolle Zusammenarbeit der politischen Gruppen über Parteigrenzen hinweg. Die gesellschaftlichen Probleme könnten nur angegangen werden, indem alle politischen Kräfte gemeinsam nach Lösungen suchen und dabei der Bevölkerung eine größtmögliche Teilhabe einräumen würden. Dieser „unmittelbare Diskussionsprozess“, in dem „Meinungen aufeinander prallen, um zum Kern des Problems vorzudringen“, solle unabhängig von Parteizugehörigkeiten geführt werden. „Die Tatsache, dass jemand grün, rot oder schwarz ist, entscheidet ja nicht darüber, ob er recht hat“, sagte der Sozialdemokrat. Er wünsche sich eine größere Kompromissbereitschaft und „neue Nachdenklichkeiten“ in der Politik, damit die Chance bestehe, Ideen „bis zum Ende durchzudiskutieren“. Dass die Parteien dabei nicht nur das Wahlergebnis im Auge haben sollten, stellte Koschnick klar: „Ich habe die Hoffnung, dass der Wahlkampf nicht zu einer Schlammschlacht wird, sondern dass am Ende ein konstruktiver Disput besteht mit dem Ziel, eine Perspektive für die Zukunft zu haben.“
Katharina Grimpe | Schaumburger Nachrichten 10.08.2009
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